Ehrenamt fördern im Kirchenkreis Pommern Ein Interview mit Frithjof Nürnberger

Frithjof Nürnberger ist Referent für Ehrenamtsentwicklung in der Arbeitsstelle Ehrenamt im Regionalszentrum des Evangelischen Kirchenkreises Pommern. Er fördert Engagement seit etwa drei Jahren.

Ein paar Worte zu Dir und dem, was Du tust:

Ich bin aus Leipzig mit meiner Familie nach Greifswald gezogen und gestalte seit drei Jahren im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis kirchliches Leben mit. Es ist mir wichtig, meine Möglichkeiten authentisch und sinnstiftend einzubringen. Dazu gehört zum Beispiel kreatives Ausprobieren, Gewohntes auf den Kopf stellen und Bewährtes zum Glänzen bringen, manchmal ungeduldig sein, mich nicht von alten Strukturen lähmen lassen, aber auch nichts zu erzwingen, wenn es nicht passt.

Was immer passt: Menschen empowern, die mit pommerscher Liebe im Herzen unterwegs sind. Könnte doch sein, dass die Veränderung von den Unscheinbaren ausgeht, die feststellen, dass sie hier der Unterschied sind.

Glücklicherweise darf ich mit leidenschaftlich kompetenten Menschen zusammenarbeiten. Im Regionalzentrum Kirchlicher Dienste haben wir uns auf die Fahnen geschrieben, Pommersche Kirche vor Ort und regional zu stärken. Da ziehen wir an einem Strang mit der Kirchenkreisverwaltung und den drei pröpstlich Leitenden.

Ehrenamt braucht gute Rahmenbedingungen. Wie gelingt das im Pommerschen Kirchenkreis?

Es hängt sehr viel vom Leitungsverständnis der Hauptamtlichen ab und auch von den Traditionen und Gegebenheiten vor Ort. Ich kann nur situativ in einzelnen Gemeinden präsent sein, aber bin dafür mit Übersicht, Vernetzung und System unterwegs.

Ich glaube, starke Kirche wächst aus einem erfüllten Ehrenamt. Das geht zum Beispiel durch Austauschformate, Qualifikationsangebote, Fortbildung und Beratung, Synergien zwischen Gemeinden, funktionierender Kommunikation, guter Begleitung und gegenseitigem Vertrauen. Ermutigung gehört dazu auch.

Dass der Kirchenkreis eine entfristete Arbeitsstelle Ehrenamt hat, ist als starkes Signal zu werten. Unseren Kirchenkreisrat und die Kirchenkreissynode sind dafür wegbereitend. Vielleicht, weil diese Gremien großteils selbst ehrenamtlich aufgestellt sind. Der gewollte Auftrag und die Rückendeckung sind wichtig. Immerhin geht es nicht nur um Qualifikation, sondern auch darum, dass die Attraktivität von kirchlichem Engagement öffentlich sichtbar wird und evangelische Kirche in MV als eine relevante Engagement- fördernde Struktur wahrgenommen und einbezogen wird.

Deine Erkenntnis aus der Arbeit?

Ich höre immer wieder, dass die Kirche den Bach runtergeht. Gleichzeitig erlebe ich engagierte Menschen, die sich längst entschieden haben, etwas zu tun. Und zwar mit unglaublich konstruktiver Kraft! Das macht mir Hoffnung. Vielleicht liegt die Zukunft der Kirche in der Erkenntnis, dass die Zukunft der Kirche in einem kunterbunten und gut begleiteten Ehrenamt liegt.

Was ist Dein Geheimrezept und was motiviert Dich?

Ich habe kein bestimmtes Rezept, sondern folge da eher meiner Intuition. Ich versuche einfach ein Ohr für die Sehnsüchte der Menschen zu haben und meine Angebote daran auszurichten. Mir geht es nicht um Selbstverwirklichung, aber ich sehe mich verwirklicht, wenn mir das irgendwie gut gelingt. Ist das Ehrenamt happy, bin ich es auch. Das lässt sich nur gemeinsam erreichen: mit den Gemeinden vor Ort und engagierten Mitwirkenden. Viele meiner Angebote werden durch Pastor:innen und andere Hauptamtliche unterstützt, die ihr Wissen weitergeben möchten und ihre Kompetenzen teilen. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Geschenk.

Ich glaube, dass kirchliche Führungskultur ein zukunftsfähiger Schlüssel sein kann. Leitende, die Ehrenamtliche unterstützen und fördern, damit sie sich mit ihren Gaben und Ideen entfalten können, haben das verinnerlicht. Wir kennen dieses „Hilf mir es selbst zu tun“-Prinzip aus der Reformpädagogik. Es geht im Kern nicht darum, das tun zu sollen, was sonst keiner machen würde, sondern das tun zu können, wofür dein Herz schlägt und darin Unterstützung zu finden.

Von dieser Basis geht eine Kraft aus, die man als Kirche nur bestaunen kann. Und das alles findet nicht nur innerhalb der eigenen Kirchenblase statt – sondern bestens vernetzt mit allen Akteuren und Ressourcen vor Ort. So eine Kirche ist dynamisch und gestaltet sich überall etwas anders in Stadt und ländlichem Räumen. Es sind überall andere Gegebenheiten, Strukturen und Menschen anzutreffen. Das ist gut so. Ich sage dazu gern: „Vereint in Vielfalt und Unterschiedlichkeit als Nordkirche in Pommern.“

Vielen Dank für das Gespräch!

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