SCHLIESSEN

Suche

„In dir ist Freude…“ – dem Grundgefühl des Glaubens auf der Spur

Oberkirchenrat Mathias Lenz

05.06.2018 | „Ich engagiere mich ehrenamtlich in der Kirche, weil mir das Freude macht“ – unter den vielen guten Gründen, in der Nordkirche aktiv zu sein, finde ich diesen besonders schön: Weil es mir Freude macht. Denn der Satz erinnert daran: Das Grundgefühl des Glaubens ist die Freude.

Im Alltag ehrenamtlicher Arbeit (und hauptamtlicher ebenso) rückt das vielleicht manchmal in den Hintergrund – wenn Absprachen nicht funktionieren, Meinungsverschiedenheiten ausgehalten werden müssen und man den Eindruck hat, das eigene Engagement wird nicht genug gewürdigt.
Und darüber hinaus ist ja in der Kirche insgesamt lange Zeit vergessen worden, wie zentral die Freude für den christlichen Glauben ist. Die Betonung vom Ernst des Lebens und Sterbens, die Düsternis eines fehlgeleiteten Sündenbewusstseins und der Hang zu Leibfeindlichkeit und heruntergezogenen Mundwinkeln haben leider oft genug ein Zerrbild von Gott und Glauben in die Welt gesetzt.
Dabei muss man nur in der Bibel lesen und es wird klar: Freude, Fröhlichkeit und Lachen spielen gerade in der Beziehung zu Gott eine wichtige Rolle.

„Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein“, heißt es im 126. Psalm. „Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird“ (Lk 2,10) – damit beginnt die Weihnachtsbotschaft des Engels an die Hirten auf dem Feld.
Und auch Paulus fordert seine Schwestern und Brüder im Glauben mit Nachdruck auf: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe!“ (Phil 4,4).

Glauben ganz ohne Freude – das ist eigentlich ziemlich unbiblisch.
Martin Luther hat diesen Grundton im Glauben übrigens auch schon gehört. Er schreibt 1532 in einer seiner Predigten: „Wer durch den Glauben im Herzen sicher ist, dass er einen gnädigen Gott habe, der geht dahin und tut alles fröhlich. Um Christi, des Mittlers willen, weiß er, dass Gott ihn nicht in die Hölle stoßen will, sondern freundlich anlacht, und ihm den Himmel auftut. Danach gehe ich heraus gegen den Nächsten mit meinem Leben und tue ihm das Beste, das ich kann“.

Mit Gottes Lachen also nimmt alles seinen Anfang – Glauben und Vertrauen, Zuversicht und Fröhlichkeit, Nächstenliebe und die Fähigkeit, die Menschen so zu nehmen, wie sie sind – einschließlich der eigenen Person.

Mit Gottes Lachen nimmt alles seinen Anfang und wenn es gut läuft, dann lachen Menschen zurück. Dann wächst in der Seele eine vertrauensvolle Zuversicht ins Leben und in die eigenen Kräfte und Fähigkeiten. Dann bleibt auch in schwierigen Situationen die Erinnerung daran, dass nicht alles mit dem Schlimmsten enden muss, sondern sich immer wieder Grund zur Freude finden kann.
Das ist eine gute Voraussetzung, um die Augen aufzumachen und zu erkennen, wo meine Hilfe gebraucht wird und wo ich andere unterstützen kann. Eine gute Voraussetzung dafür, um mit anderen zusammen die Initiative zu ergreifen und das Miteinander zu gestalten – im Kirchengemeinderat, in der Flüchtlingshilfe, bei den Pfadfindern und in vielen anderen Bereichen. Freude ist einfach eine gute Voraussetzung dafür, sich auf die Beine und auf den Weg zu machen. Und Freude ist auch ein wichtiger Hinweis darauf, ob es gut läuft mit der Arbeit oder ob etwas verändert werden muss. „Macht mir das, was ich ehrenamtlich tue, eigentlich noch richtig Freude?“ – das ist eine wichtige Kontrollfrage, die jede und jeder sich selbst und den Mitstreitern von Zeit zu Zeit stellen sollte. „Die auf Gott sehen, werden strahlen vor Freude…“ (Ps 34,6) – das ist also eine richtig gute Perspektive, in jeder Hinsicht.

Oberkirchenrat Mathias Lenz
Leitung des Dezernates Theologie, Archiv und Publizistik