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Licht und Liebe und das Salz in der Suppe

Hauptbereichsleiterin Pastorin Kirsten Voß

01.06.2016 | Das Ehrenamt in der Kirche ist vor allem ein mündiges Amt – so endete der geistliche Impuls von Propst Dr. Bronk im vorigen Newsletter. Ein klares und gutes Wort, um dieses alte Amt in der christlichen Gemeinde zu beschreiben. Es muss aber auch beleuchtet werden, wie es gelingen kann, so viele Talente und Kräfte, wie es in der Kirche gibt, zum Klingen zu bringen. Vielleicht kann das mit etwas Licht und einer Prise Salz gelingen.

Pastorin Kirstin Voß, Leiterin des Hauptbereichs Frauen Männer Jugend der Nordkirche (Foto: Christian Eggers / Nordbild)

Das Ehrenamt in der Kirche ist vor allem ein mündiges Amt – so endete der geistliche Impuls von Propst Dr. Bronk im vorigen Newsletter. Ein klares und gutes Wort, um dieses alte Amt in der christlichen Gemeinde zu beschreiben. Es muss aber auch beleuchtet werden, wie es gelingen kann, so viele Talente und Kräfte, wie es in der Kirche gibt, zum Klingen zu bringen. Vielleicht kann das mit etwas Licht und einer Prise Salz gelingen.
Gerade in den letzten Jahren und Jahrzehnten könnte man denken, es gebe in der evangelischen (und vielleicht auch in der römisch-katholischen) Kirche nichts Wichtigeres zu tun, als sich neue Ordnungen, Gesetze und Verfassungen für zum Beispiel neue Landeskirchen auszudenken. Die Nordkirche jedenfalls ist immerhin schon vier Jahre alt und doch ist kein Ende abzusehen, bis alle erforderlichen Gesetze und Rechtsverordnungen an diesen neuen Zustand angepasst sind, bis alle ehren- und hauptamtlichen und ordinierten Menschen wieder wissen, nach welcher Ordnung sie sich zu richten haben.
Das Ziel dieser Ordnungsschaffung ist gewiss ein lobenswertes und ehrenvolles, denn alles soll „klar und gut“ geregelt sein. Die vielen Glieder an dem einen Leib sollen jeweils wissen, was ihre Aufgaben sind und sie sollen sich möglichst nicht in die Quere kommen. Wichtig ist schließlich auch die Perspektive, dass sich dann, wenn alles fertig geordnet ist, eine jede/ ein jeder „um das Eigentliche“ kümmern kann.
Um mir selbst zu Klarheit und zum guten Weg auf die Sprünge zu helfen, habe ich mir einen Abschnitt aus der Bergpredigt im Matthäus-Evangelium etwas genauer angesehen. Die Bergpredigt richtet sich nach Matthäus selbstverständlich an die ganze Gemeinde in der Gesamtheit ihrer Glieder. Der Gedanke, es könnten Jesu Zuspruch und Anspruch einem bestimmten Kreis in der Gemeinde vorbehalten sein, ist für den Evangelisten Matthäus völlig fremd. Für ihn gibt es keine anderen Christ*innen als eben dieses Volk, das gemeinsam unterwegs ist auf dem von Jesus ermöglichten Weg der Gerechtigkeit.

Dieses „christliche Fußvolk“ ist Salz der Erde und Licht der Welt.
Es wird vermutet, dass diese Worte – ähnlich wie die des Vaterunser – tatsächlich Jesu Worte sind. Das Wort übers Salz ist möglicherweise ein ursprünglich an Israel gerichtetes Drohwort Jesu. Beim Wort über das Licht sollte wohl die Unsinnigkeit deutlich werden, dass man ein Licht doch nicht anzündet, um dann nicht auch seine Leuchtkraft zu nutzen.
Die Bilder, die hier vor den Augen der Leser*innen entstehen, sind beide gleichermaßen sinnlos und sollen damit die eigentliche Aussage hervorheben. Es wird ausgemalt, das Salz könnte dumm werden. Es kann eigentlich nur durch Feuchtigkeit passieren, dass Salz nicht mehr gut zu gebrauchen ist. In seinem Geschmack oder seiner Wirkung wird es dadurch aber nicht wesentlich verändert. Die Aufgabe des Salzes ist aber, die Speisen zu würzen bzw. wird durch die Gabe von Salz der eigentliche Geschmack der Speise erst gehoben.
Hier werden die Christ*innen als das Salz der Erde angesprochen. Sie sind diejenigen, die unverzichtbar sind, um die Menschheit zum Zweck ihres Seins zu führen. Auf keinen Fall sind sie dazu da, wie weggeworfenes Salz hinausgeworfen und zertreten zu werden. Gerade sie, die verfolgt und geschmäht sind, sollen nach Matthäus die Würze der Erde sein.
Und so ist auch das Lichtwort gemeint: Ihr kleine, verfolgte Gruppe, ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, ist durch ihr Licht in der Dunkelheit weithin sichtbar. Ebenso eine Lampe, die niemand unter einen Scheffel (das ist ein Gefäß etwa in der Größe eines Eimers) stellt, sondern auf einen Ständer, damit es möglichst von oben her den Raum beleuchtet. Überhaupt bedient man sich ja der Lampe, weil man ihre Helligkeit nutzen will. Es wäre  absurd, würde man ein Licht anzünden und es dann verbergen, sodass es nicht seine eigentliche Bestimmung erfüllen kann, nämlich zu leuchten. So soll auch die Gemeinde, die das Licht der Welt ist, dieses Licht leuchten lassen.
Matthäus beschreibt, wie es ist: Die Gemeinde ist als Salz der Erde ihre Würze. Das Salz ist erst dann Salz, wenn es salzt. Die Gemeinde, die Christ*innen sind Licht der Welt, indem sie ihre Werke leuchten lassen.
Worin nun diese Werke bestehen? Die acht Seligpreisungen der Bergpredigt geben darauf die Antwort. Und wir kennen diese Antwort ja auch: die Leidtragenden trösten, die Hungrigen sättigen, Gerechtigkeit suchen und Frieden schaffen. Diese Aufgaben haben alle und hat die ganze Gemeinde zu erfüllen. So werden sie die Menschen erreichen. So werden sie den Taufbefehl erfüllen, hinauszugehen in alle Welt. Für Matthäus kommt weit vor dem Wort die Tat. An ihren Taten werdet ihr sie erkennen. Am Geschmack werdet ihr erkennen, ob das Salz in der Suppe ist. An ihrem Leuchten werdet ihr die Taten der Liebe erkennen. Will jemand zur Jüngerschaft Jesu gehören und nimmt für sich in Anspruch, zur Gemeinde Jesu Christi zu gehören, so bedeutet das die Erfüllung der Gebote Jesu.

Klar heißt auch glaubwürdig
Glaubwürdig – wir bekommen es oft in den kritischen Fragen von außen zu hören – sind wir als Christ*innen dort, wo Taten das Zeugnis unseres Glaubens als ganzer Gemeinde darstellen.
Glaubwürdig nach außen wie auch nach innen sind wir dort, wo durch unsere Tat unser Glaubensbekenntnis gesprochen wird. In dieser Weise Zeugnis durch das Leben zu geben, ist Aufgabe der ganzen Gemeinde.
Salz der Erde und Licht der Welt sind – klar und gut – für Matthäus die Gesamtheit der Glieder der Gemeinde. Zuspruch und Anspruch gelten allen Gliedern der Gemeinde gleichermaßen. „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ ist das „christliche Fußvolk“, das gemeinsam auf dem von Jesus ermöglichten Weg der Gerechtigkeit.
So, wie es in dem Pfingstlied besungen wird:
Unser Leben sei ein Fest, Jesu Geist in unserer Mitte, Jesu Werk in unseren Händen, Jesu Geist in unseren Werken.
Unser Leben sei ein Fest, an diesem Abend und jeden Tag. 
Unser Leben sei ein Fest, Jesu Hand auf unserem Leben, Jesu Licht auf unseren Wegen, Jesu Wort als Quell unserer Freude.
Unser Leben sei ein Fest, an diesem Abend und jeden Tag. 
Unser Leben sei ein Fest, Jesu Kraft als Grund unsrer Hoffnung,
Jesu Brot als Mahl der Gemeinschaft, Jesu Wein als Trank neuen Lebens.
Unser Leben sei ein Fest an diesem Abend und jeden Tag.