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Die Haltung zählt

Hauptbereichsleiter Pastor Friedrich Wagner

25.01.2017 | Alles, was wir als Menschen tun, machen wir aus einer bestimmten Haltung heraus: Ist mir eine Aufgabe wichtig oder egal. Übernehme ich Verantwortung oder laufe ich eher nur mit. Arbeite ich lieber mit anderen zusammen oder alleine. Finde ich Regeln wichtig oder eher störend – die Haltung ist entscheidend. Das gilt besonders, wenn wir mit anderen Menschen zusammenarbeiten.

In unserer Kirche engagieren sich ganz verschiedene Menschen: Hauptamtliche wie Ehrenamtliche, Menschen, die das Fachwissen aus ihren Berufen einbringen, andere, die einfach nur ihre Hilfe anbieten, Menschen mit viel und mit wenig Zeit, mit dem Willen, sich nur für ein Projekt einzubringen oder langfristig die unterschiedlichsten Aufgaben zu übernehmen. Für ein gemeinsames Engagement müssen die Haltungen der jeweils Beteiligten zusammenpassen. Nicht wenige Konflikte haben ihre Ursache darin, dass die Haltungen derer, die zusammenarbeiten, nicht geklärt und miteinander besprochen sind.
Wie aber kann man in ein Gespräch kommen, das das gemeinsame Engagement stärkt? „Auch das alles nur eine Frage der Haltung“, könnte Paulus sagen. Er war Fachmann im Zusammenwirken mit sehr unterschiedlichen Menschen. Er hat die Konflikte erlebt, die dabei entstehen, und er hat gute Lösung gefunden – finde ich jedenfalls.

Die Gemeinde in Korinth liegt Paulus sehr am Herzen. Eine quirlige Hafenstadt mit Reichen und Armen, geprägt von unterschiedlichsten Glaubensformen und vielen Konflikten zwischen den Menschen durch alle Schichten hindurch. Seine Briefe an die Gemeinde zeigen dieses Miteinander und die Liebe, die er gerade für die Menschen empfindet, die zu den Schwachen zählen. Bei seinem Besuch wird er von einem Gemeindemitglied angegriffen und beleidigt, seine Kompetenzen werden in Frage gestellt, andere angereiste Christen gehen in Konkurrenz zu ihm und halten sich für die wahren Apostel Christi. In dieser Konfliktsituation macht Paulus seine Haltung als Apostel deutlich: „Nicht, dass wir Herren wären über euren Glauben, sondern wir sind Gehilfen eurer Freude; denn ihr steht im Glauben.“ (2. Korintherbrief Kapitel 1, Vers 24).
Paulus kann sehr deutlich sein Apostelamt herausstreichen, vor Gott aber sind für ihn alle Glaubenden gleich. Gerade die Schwachen können dabei die Starken sein. Er und die Christen, die mit ihm reisen („wir“), weisen weit von sich, dass sie „Herren“ sein könnten über die Christen in Korinth, die „im Glauben stehen“. Eine klare Abgrenzung: keine Haltung von „oben und unten“, keine von „wir sind richtig und ihr nicht“. Und positiv: Wir wollen für euch da sein als „Gehilfen eurer Freude“ am Glauben. Das mit „Gehilfen“ übersetzte Wort heißt im Griechischen „synergoi“ – die behilflich, hilfsbereit sind, fördern wollen. Heute reden wir von „Synergien“. Kräfte kommen zusammen. Wenn mehrere etwas gemeinsam tun, ist es mehr, als wenn alle es nur einzeln machen.
Was Paulus wichtig ist, verstehe ich so: Alles Engagement baut in der Kirche auf etwas Gemeinsamem auf, dem Glauben, von dem jede und jeder auf ganz eigene Weise von Gott berührt wird. Das Engagement in der Kirche geschieht dann im Einzelnen aus sehr unterschiedlichen Haltungen. Aber gemeinsam können wir das Förderliche, Hilfreiche suchen: Kräfte werden nicht aufgezehrt durch unnötige Umwege, Widerstände und Konkurrenzen, sondern werden zusammengebracht. Durch Miteinander werden sie mehr. Vor allem aber: Freude entsteht. Paulus heute? Einer, der uns mit seinen Gedanken gut ins Gespräch bringen kann.