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Zum Handbuch „Gemeinde leiten“: Taufe und Reformation

Der Kirchengemeinderat lädt ein: "Denn was aus der Taufe gekrochen ist, ..." - Eine Gemeindeveranstaltung im Rahmen des Reformationsjubiläums zum Thema "Taufe"

30.05.2017 | Mit dieser Einheit, laden wir als Gemeindeleitung unsere Gemeinde ein, sich dem Thema „Taufe“ zu nähern, die die Grundlage für das sogenannte „Priestertum aller Getauften“ ist.
In unserer 1 ½-stündigen Einheit gehen wir verschiedenen Gedanken und Fragen nach. Ziel kann es sein, sich seiner eigenen Taufe bewusst zu werden und die einmalige, sichtbar gewordene Zusage Gottes zu meinem Sein als wertvoll und sinnstiftend für mein eigenes Leben zu erkennen.

Die evangelisch-lutherische Kirche zeichnet sich besonders dadurch aus, dass in allen Leitungsgremien auf allen Ebenen die Laien die Mehrheit ausmachen. Das gilt vom Kirchengemeinderat bis zur Synode der Nordkirche. Die Mitgestaltung und Leitung unserer Kirche durch Laien geht auf das sogenannte Priestertum aller Getauften zurück, das Martin Luther in seiner ersten großen reformatorischen Schrift 1520 „An den christlichen Adel deutscher Nation: Von des christlichen Standes Besserung.“ (Anm. 1) postuliert hat. “Denn was aus der Taufe gekrochen ist, das kann sich rühmen, daß es schon zum Priester, Bischof und Papst geweiht sei, obwohl es nicht jedem ziemt, solches Amt auszuüben.“ (Anm. 2)

Für Martin Luther war die Taufe so wichtig, dass er in den größten Anfechtungen seines Lebens sich immer wieder gesagt hat: “Ich bin getauft.“ Auch war er unter den Reformatoren einer der wenigen Verfechter der Kindertaufe.

Doch Martin Luther wusste eben auch um die Anfechtungen, die ein Mensch während seines Lebens erfahren kann. Anfechtungen, die ihn aus dem „Schiff Taufe“ herausspülen können. Aber der Mensch soll dann nicht der stürmischen Lebenssee überlassen bleiben und untergehen, sondern soll zum Schiff zurückschwimmen können. „Aber das geschicht wohl, daß wir gleiten und erausfallen, fället aber imand eraus , der sehe, daß er wiederhinzuschwimme und sich daran halte, bis er wieder hineinkomme und darin gehe, wie vorhin angefangen.“ (Anm. 3)

Aber reicht unser Vermögen, hatten wir genügend Schwimmunterricht, haben wir genügend Schwimmhilfen, um dieses Schiff wieder zu erreichen? Und hat dieses Schiff „Taufe“ überhaupt genügend Bedeutung für unser Leben, dass wir es wieder erreichen wollen?

Diesen Gedanken und Fragen wollen wir in dieser 1½-stündigen Einheit nachgehen. Ziel kann es sein, sich seiner eigenen Taufe bewusst zu werden und die einmalige, sichtbar gewordene Zusage Gottes zu meinem Sein als wertvoll und sinnstiftend für mein eigenes Leben zu erkennen.

Material/bzw. Räume

- In der Kirche: Taufbecken in der Kirche, Taufbuch, Taufbaum u. Ä.

- Im Stuhlkreis weiterhin: der Playmobil-Luther, beschriftete und unbeschriftete Karten, Stifte.

Ideal wäre der Beginn in der Kirche und dann ein Wechsel in das Gemeindehaus. Wenn die Kirche zu weit entfernt ist vom Gemeindehaus, findet die ganze Einheit im Gemeindehaus statt. Dort wird ein Stuhlkreis aufgebaut und in der Mitte stehen Taufkanne, Taufschale, Bilder vom Taufbecken, Taufbuch u. A.

Ablauf

1. Treffpunkt ist in der Kirche am Taufbecken. Mittlerweile gibt es fast in jeder Kirche einen Taufbaum oder eine andere Form, um die Getauften des jeweiligen Kirchenjahres abzubilden. Dazu kann das älteste Taufbuch der Kirchengemeinde mit am Taufbecken liegen.

Zu Beginn steht eine kleine Vorstellungsrunde, in der der Satz: „Bei Taufe denke ich an …“ zu ergänzen ist.

Dann mit einigen Fragen Impulse setzen: – „Wann war die erste, festgehaltene Taufe in dieser Kirche?“ – „Findet man Verwandte oder bekannte Personen im Taufbuch?“ – „Wo und wann wurde ich getauft?“ – „Wer kennt seinen Taufspruch?“

Neben den aufgeführten Fragen kann auch ein Austausch über die heutige Taufpraxis stattfinden. “Wie läuft eine Taufe üblicherweise ab?“ – „Wer sucht die Taufsprüche aus?“ – „Warum müssen Paten und Patinnen in der Kirche sein?“ – „Gibt es Taufzeugen.“ – „Verhältnis Taufe und Konfirmation“  – „Was ist eigentlich ein Sakrament?“

Dann kann ein Ortswechsel in das Gemeindehaus stattfinden. 

2. Aufbau im Gemeindehaus: Stuhlkreis und in die Mitte kommen jetzt eine Schwimmhilfe (Schwimmflügel, Ring oder Schwimmbrett) und der Playmobil-Luther. Ab 14 Personen ist es sinnvoll, im weiteren Verlauf die Gruppe zu teilen.

Es werden nun Karten auf den Fußboden gelegt, die mögliche „Schwimmhilfen des Glaubens“ benennen: Vaterunser, Glaubensbekenntnis, Bibel, Musik, Gottesdienst, Gebet, Gemeinschaft, ein ?, Konfirmation usw. Weiterhin gibt es Blankokarten und Stifte für eigene Ideen.

Welches Phänomen gibt am ehesten wider, was ich als Schwimmhilfe bräuchte, um das Schiff „Taufe“ wieder zu erreichen, wenn ich hinausgespült würde? Welcher Aspekt in der Taufe ist so stark, dass ich überhaupt daran festmachen möchte?

Hier sollte es dann zu einem Erfahrungsaustausch kommen unter den Fragestellungen: Welche Veranstaltungen bzw. Anknüpfungspunkte braucht es/will ich haben/sollte es geben, damit die Taufe wieder eine größere Rolle im Leben der Menschen spielen kann? Was brauche ich, um schwimmen zu können, um mich in einem Glauben frei bewegen zu können?

Die Gedanken werden nun auf den Blankokarten festgehalten und als weitere Schwimmhilfen ergänzt.

Zum Abschluss bekommen alle Teilnehmenden einen Bogen Papier mit Wasserzeichen, auf dem steht: „Du bist getauft“. Das Wasserzeichen scheint hindurch, wenn ich das Papier gegen das Licht halte. Ähnlich ist es mit der Taufe, sie scheint durch mein Leben hindurch, wenn ich mich in Gottes Licht stelle, egal ob ich viel ausradiere auf meinem Lebensbogen, wegstreiche oder unterstreiche – das Wasserzeichen bleibt beständig, zeigt an: mein Leben ist wertvoll, so wie ein Papierstück sich durch das Wasserzeichen als wertvoll ausweist und unfälschbar, einmalig ist.

Die Zusammenfassung bildet die analog zum Anfang gestaltete Runde „Bei Taufe denke ich an …“.
Ein schönes Lied und das Vaterunser mit Segen bilden den Abschluss.


Von Karin Emersleben

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Anmerkungen: 
1) Martin Luther: Werke, Bd.  6; S. 404-469, Weimar 1888.
2) Martin Luther: Ausgewählte Schriften, Bd. 1, Frankfurt 1983, 2. Auflage, hrg. v. Karin Bornkamm und Gerhard Ebeling, S. 156f.    
3) Martin Luther: Großer Katechismus, in: Die Bekenntnisschriften der ev.-luth. Kirche, Göttingen1986, 10. Auflage,  S. 707.